Jeden Tag werden tausende Liter Milch von landwirtschaftlichen Betrieben zu Molkereien transportiert. Was dabei kaum jemand bemerkt: Für das Ansaugen und Umladen der Milch laufen bei herkömmlichen Milchsammelfahrzeugen leistungsstarke hydraulische Pumpen, die Energie verbrauchen, Lärm verursachen und regelmäßig gewartet werden müssen.
Genau hier setzten die HTL-Schüler Leonhard Hauser und Cedrik Thalbauer mit ihrer Diplomarbeit an. Gemeinsam mit der Firma Reder Transporte entwickelten sie ein innovatives elektrisches Pumpensystem für Milchsammelfahrzeuge. Ziel war es, die bisher hydraulisch betriebenen Pumpen vollständig zu elektrifizieren und direkt über die Hochvolt-Schnittstelle eines Elektro-LKWs zu versorgen.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das neue System fördert bis zu 1.100 Liter Milch pro Minute und bewältigt täglich rund 160.000 Liter Milch, ohne dass bestehende Aufbauten oder Steuerungen grundlegend verändert werden müssen. Gleichzeitig sinken Energieverbrauch, Wartungsaufwand und Verschleiß deutlich.
Besonders erfreulich sind die ökologischen Auswirkungen. Berechnungen zeigen, dass pro Fahrzeug jährlich rund 18,5 Tonnen CO2 und etwa 9.500 Euro an Treibstoffkosten eingespart werden können. Umfangreiche Versuche und Tourentests bestätigen zudem, dass der elektrische Pumpbetrieb auch im praktischen Einsatz auf typischen Milchsammeltouren technisch umsetzbar ist.
Das Projekt entstand in enger Zusammenarbeit mit mehreren Industriepartnern und zeigt eindrucksvoll, wie aus einer Idee aus der Praxis eine innovative Lösung für die nachhaltige Mobilität von morgen entstehen kann. Die Diplomarbeit der beiden HTL-Schüler könnte damit einen wichtigen Schritt in Richtung emissionsärmerer Milchlogistik leisten.
Für Leonhard Hauser und Cedrik Thalbauer schließt sich mit diesem Projekt nun ein Kreis. Beide besuchten den Schulschwerpunkt "Agrar- und Umwelttechnik" an der HTL Ried. Hier werden genau jene Kompetenzen vermittelt, die für innovative Lösungen in einer zunehmend nachhaltigen und technologisierten Landwirtschaft erforderlich sind.
"Leonhard Hauser und Cedrik Thalbauer haben eindrucksvoll gezeigt, welches Innovationspotenzial in unseren Schülerinnen und Schülern steckt. Sie arbeiteten über viele Monate hinweg äußerst selbstständig, professionell und lösungsorientiert. Die Nominierung für das Bundesfinale von Jugend Innovativ ist eine verdiente Anerkennung ihrer Leistung und zugleich ein historischer Erfolg für die HTL Ried", betont Dipl.-Ing. Dr. Martin Baldinger MBA, MSc, Diplomarbeitsbetreuer.
Jugend Innovativ gilt als Österreichs erfolgreichster und bekanntester Schulwettbewerb für innovative Ideen. Der Wettbewerb wird von der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) im Auftrag mehrerer Bundesministerien durchgeführt und fördert Kreativität, Innovationskraft und unternehmerisches Denken bei Jugendlichen.
"Der Bundessieg bei Jugend Innovativ in der Kategorie "Sustainability" markiert einen Meilenstein für die HTL Ried und ist der erste Erfolg dieser Art seit Gründung der Schule vor 25 Jahren", freut sich der neue Schulleiter Dir. DI Karl Angleitner.